Haar geht durch die Hölle, Englschalking in Hochform und Hohenbrunn I mit enormen Schwierigkeiten — so war es am Sonntag, aber erst ein mal der Reihe nach...
Das spannendste und ereignisreichste Halbfinale der zwölfjährigen Geschichte der RWK Finalkämpfe lief am vergangenen Sonntag in Taufkirchen ab. Zehntelknappe Entscheidungen, Triumphgefühle, Niedergeschlagenheit, das Hadern mit dem Schicksal, Einspruch, kurzum: einfach alles, was das Herz begehrt, wurde am 18. April 2010 den zahlreichen Zuschauern im Schützenheim der SG Taufkirchen geboten.
Der äußere Rahmen stimmte, als der Gaujugendleiter die vier teilnehmenden Mannschaften der Trostrunde um 10:00 Uhr pünktlich begrüßte. Udo Weiß, der Schützenmeister der Hausherren, hatte zusammen mit seinem Helferstab um Christian Schlosser, Markus Beyer und Katrin Becker eine tolle Atmosphäre geschaffen. Zusammen mit der Vereinsjugend wurde die Bar im Schützenstüberl mit Leben erfüllt. Es gab zwar keinen Schnaps, aber der Kuchen war nicht von schlechten Eltern, kurzum, Technik und Logistik stimmte, einem interessanten Sonntag stand also nichts im Wege, aber wie schon gesagt, erst mal der Reihe nach...
Begonnen wurde mit Hohenbrunn II gegen Aying. Erstere waren der Gruppensieger in der B-Klasse und mussten somit laut Reglement gegen den letzten der A-Klasse antreten, und das war in der abgelaufenen Saison Aying-Peiß. Laut den Saisonergebnissen eigentlich eine klare Sache für Hohenbrunn, aber Aying zeigte Krallen, vor allem die beiden Siegl Brothers trumpften auf. Dominik, der LP-Schütze, kam auf 95,1 Ringe und sein Bruder Kilian auf 95,3, beide gewannen ihre Punkte. Die drei anderen mussten sich aber ihren Gegnern Sandra Wimmer, Michael Wimmer und Alexander Dobl geschlagen geben, sodass Hohenbrunn II mit 3 : 2 ins Achtelfinale einzog.
In der 2. Begegnung traf der Hausherr Taufkirchen (2. Platz B-Klasse) auf Brunnthal (5. Platz A-Klasse). Brunnthal gewann hier recht deutlich mit 5 : 0, betrachtet man jedoch die einzelnen Ergebnisse, hätte es durchaus auch anders ausschauen können, denn Johannes Maier unterlag seinem Gegner nur mit 7 Zehntel, Michael Neumeyer gar nur um 2 Zehntel und Dennis Smajlovic wieder um 3 Zehntel. Hier wurde schon klar, dass man sich heute auf einiges gefasst machen konnte.
Brunnthal und Hohenbrunn II zogen somit ins Achtelfinale ein, in dem mit Englschalking und Unterföhring II die A-Klassen-Vierten und -Dritten warteten. Hier wurde ausgelost, die beiden Paarungen ergaben Hohenbrunn II gegen Unterföhring II und Englschalking gegen Brunnthal.
Hohenbrunn II lieferte der Zweiten von Unterföhring einen heißen Kampf, denn obwohl man mit 1 : 4 unterlag, mussten sich Florian Weber nur um 6 Zehntel und Konstantin Seibold nur um 5 Zehntel geschlagen geben. In der 2. Partie setzte sich Englschalking knapp mit 3 : 2 gegen Brunnthal durch.
Englschalking und Unterföhring stiegen ins Viertelfinale auf, wo mit Gronsdorf der A-Klassen-Zweite wartete. Diesmal war es ein Dreikampf, bei dem nur die beste Mannschaft weiterkam. Gronsdorf war etwas gehandicapt, da ihre Nummer 1 Matthias Krüger leider arbeiten (Sonntag!) musste, und die nachfolgenden somit aufrückten.
Einzig Hansi Walser, der amtierende Deutsche Meister der LP Schüler konnte optimal punkten, mit 96,8 Ringen holte er 3 Punkte. Auch Sabrina Lex konnte 2 Punkte ergattern, aber die anderen 3 mussten sich der tollen Leistung der anderen beugen.
Vor allem Englschalking trumpfte auf, Steffi Stichlmayr, Florian Weger, Sandra Stichlmayr und Jonas Schreiber konnten voll punkten, sodass am Ende 13 Punkte auf dem Konto waren, und Englschalking fast schon souverän ins Halbfinale einzog. Sandra Stichlmayr hatte mit 98,2 Ringen zudem das bis dato beste Ergebnis. Unterföhring kam auf 9 Punkte und Gronsdorf auf 8, beide mussten somit ausscheiden.
Jetzt war das Halbfinale an der Reihe. Diesmal als Vierkampf ausgetragen, bei dem die beiden besten Mannschaften weiterkommen sollten. In diesem Halbfinale standen Englschalking als bisheriger Tagessieger, Grasbrunn und Hohenbrunn I (die 2 Gauligisten) und Haar (1. Platz A- Klasse). Im Unterschied zu den vorangegangenen Durchgängen wurden nun 20 Schuss geschossen.
Da nur jeweils auf 10 Stände zurückgegriffen wurde, waren es 2 Durchgänge. Nach dem ersten Durchgang kamen Hohenbrunn I, Haar und Englschalking auf jeweils 6 Punkte, Grasbrunn, die sehr stark dezimiert waren (die besten 3 fehlten, nur 4 Starter), kam auf 2 Punkte. Es bahnte sich also ein spannender 2. Durchgang an.
Und das wurde er auch: Hohenbrunn I konnte sich schlussendlich doch noch absetzten und erreichte 17 Punkte, was den sicheren Einzug ins Finale bedeutete. Grasbrunn hatte, wie schon erwähnt, aufgrund der Personalprobleme keine Chance, und verabschiedete sich somit fürs kommende Jahr aus der Gauliga.
Zwischen Haar und Englschalking jedoch entwickelte sich ein regelrechter Krimi. Alle Schützen waren schon fertig, einzig Jan Bellmann von Haar hatte noch 5 Schuss. Quirin Seibold aus Hohenbrunn war mit 193,3 Ringen zu weit weg, den konnte er nicht mehr erreichen, Dominik Weiß aus Grasbrunn mit 172,0, den müsste er locker auf Distanz halten, aber das entscheidende Duell war das gegen Sandra Stichlmayr von Englschalking, die hatte 188,3 auf ihrem Konto, und das war für Jan bei einer Topleistung durchaus noch drin. Vor dem letzten Schuß ergab sich folgende Situation:
10,2 zum Sieg, 10,1 zum Unentschieden, dreimal darf geraten werden, was dieser Bursche dann traf — richtig: 10,1!
Somit wurde am Schluss doch noch ein Stechen nötig. Jan und Sandra traten an, natürlich reichte auch hier nicht nur 1 Schuss, nach dem Zweiten setzte sich Sandra durch, und holte somit 3 Punkte für ihr Team.
Jetzt war es soweit, beide Mannschaften, Englschalking und Haar kamen auf 14 Punkte. Somit musste auch hier gestochen werden. Die beiden Schützen blieben gleich, dazu wurden noch Florian Euringer (Haar) und Matthias Hof (Englschalking) geholt. Jeweils 2 Schützen, jeder 3 Schuss Zehntelwertung, so sah es diesmal aus.
Vor dem ersten Schuss gab es keine Probeschüsse, nur 3 Minuten Vorbereitung. In dieser Vorbereitungsphase fiel ein Schuss eines Haarer Schützen. Jetzt war guter Rat teuer, sollte ein so toller und spannender Tag mit der Disqualifikation eines jungen Schützen enden ? Oder mit einer Nullwertung, die bei 6 Schuss gleichbedeutend mit Disqualifikation gewesen wäre. Der Jugendleiter entschied relativ schnell auf 2 Ringe Strafabzug.
Der Kampf begann, Jan Bellmann war scheinbar auf einem anderen Trip, denn mit einer 10,5, 10,7 und einer 10,5 (31,7) holte er die 2 Strafringe gegen Sandra, die mit 29,9 Ringen beileibe nicht schlecht war, fast schon wieder rein. Florian Euringer, belastet mit 2 Strafringen, erreichte 27,7 und Matthias Hof 28,2. Haar hatte dieses dramatische Stechen also gewonnen, und war somit im Finale.
Die Jugendleitung von Englschalking legte jedoch (berechtigten) Protest ein, da bei dem Fehlschuss auf Haarer Seite die Sportordnung nicht berücksichtigt wurde, und Englschalking damit entscheidend benachteiligt wurde. Nach kurzer Diskussion innerhalb der Gaujugendleitung wurde dahingehend entschieden, dass aufgrund der laut Sportordnung falschen Entscheidung des Gaujugendleiters nicht andere benachteiligt werden sollen.
In diesem Jahr wird es deshalb erstmals einen 6. Finalisten geben, und der heißt Englschalking.
Beide Mannschaften haben sich allerdings das Finale mehr als verdient, Haar mit einer Topleistung (zweitbester Schnitt) während der Saison, und Englschalking mit einer tollen Siegesserie an diesem Tag, vom Achtel- über das Viertel- ins Halbfinale, und jetzt sogar ins Finale.
Freuen wir uns also auf ein Finale der Superlative, Stimmung, Leistung, Dramatik, aber auch Fairness und Kameradschaft — das wollen wir sehen am 13. Juni 2010 in Unterföhring.
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das sagt die Sportordnung zu einem Schuss, der vor dem Kommando Start oder nach dem Kommando Stop abgegeben wird:
0.9.7.2.1
Ein Schütze der vor dem Kommando Start oder nach dem Kommando Stop oder Entladen einen Schuß abgibt, kann disqualifiziert werden. Erfolgt keine Disqualifikation, so ist Regel 0.11.1.7.1 anzuwenden.
In dieser Regel steht folgendes:
Schießt ein Schütze vor der Feuerfreigabe oder nach der Feuereinstellung, so wierd ihm der beste Treffer gemäß den abgegebenen Schüssen abgezogen.
Aber ein Kompliment an unseren 1. Gaujugendleiter, er hat zum Wohle der Schützen so entschieden, dass nun 6 Mannschaften im Finale stehen.
Bis bald
Wolfgang
Mit freundlichem Gruß
Gerti Bellmann